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6.10.11

Orte und Räume als Interaktions-Oberflächen

Architektur ist unwichtig. Entscheidend für gelungene Lebens- und Arbeitswelten ist der Prozess, der zur Architektur führt. Hierbei wird meist die konzeptionelle Arbeit, die einen Ort versteh- und gestaltbar macht, vernachlässigt: das enge Korsett von Architekturwettbewerben zielt darauf ab, Ideen zu liefern, die einen inhaltsleeren Ort durch schöne Architektur kaschieren sollen.

Ich finde es interessant, dass ich seit einigen Wochen über Projekte stolpere (weak signal?), die versuchen, diesen ersten, so wichtigen Schritt, Ernst zu nehmen. Auf zwei Projekte möchte ich kurz hinweisen:

Monika Wagner beschäftigt sich mit Warteräumen als soziale Oberflächen und untersucht Foyers von Hotels, die Warteräume von Bahnhöfen und Flughäfen. Ausgangspunkt ist aber nicht die Gestaltung oder das Design, sondern Kern-Themen, die sich auf gesellschaftliche Phänomene beziehen:

In der globalisierten Welt verbringen immer mehr Menschen immer mehr Zeit zwischen Abfahrt und Ankunft, zwischen hier und dort. Währenddessen bevölkern sie Warteräume. Diese “Nicht-Orte” (Marc Augé) dienen zwar auch im Zeitalter digitaler Büroarbeit weiterhin der Muße oder Langeweile, aber sie werden auch zunehmend zu temporären Büros. Die transitorischen Räume müssen überindividuellen Ansprüchen genügen, während ihre Oberflächen als soziale Markierungen figurieren.

Im MAK ist momentan ein Projekt erlebbar, dass sich mit dem “Prinzip” Kaffeehaus beschäftigt. Der Architekt Gregor Eichinger leitet das angewandte Forschungsprojekt “Das Große Wiener Kaffeehaus-Experiment”:

Als Transit-Ort zwischen Privat und Öffentlich, Freizeit und Beruf, zwischen Kommunikation, Kontemplation und dem Angebot zur analogen und digitalen Begegnung bietet das Kaffeehaus in jedem Fall mehr Potenziale für die urbane Kultur als nur Konsum oder Nostalgie.

Architektur ist somit natürlich wichtig. Jedoch als Ergebnis einer fundierten Auseinandersetzung mit dem Ort/Raum und nicht als Ersatz eines fehlenden Inhaltes.

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